Eine
vollständige Fliegerausrüstung besteht aus
Gleitschirm, Gurtzeug mit integriertem Rettungsschirm (Notfallschirm),
Helm, Kleidung und zusätzlichen Instrumenten.
Gleitschirm
Heutige Gleitschirme
sind Computerberechnete Hightech-Produkte. Ihre Gleitzahl
beträgt 1: 8. Das bedeutet, dass ein Pilot aus einem Kilometer
Höhe etwa acht Kilometer weit gleitet. Die
Maximalgeschwindigkeit des Paragliders (Gleitschirm) beträgt
zwischen 50 und 60 km/h.
Das Fluggerät
besteht aus 3 wichtigen Teilen:
-
Kappe des
Gleitsegels: besteht aus Ober- und Untersegel, die durch Querrippen
miteinander verbunden sind und die Form einer
Flugzeugtragfläche aufweist
-
Leinensystem:
verbindet Kappe und Tragegurt mit der Aufgabe die Form der Kappe zu
bestimmen
-
Tragegurt: verbindet
das Leinensystem mit dem Gurtzeug
ein Gleitschirm bei Sonnenuntergang
Die Gleitschirmkappe
wird beim Start mit Luft gefüllt. Die anströmende
Luft kommt im Inneren der Kappe zum Stillstand und erzeugt einen
Staudruck. Durch diesen Staudruck wird der Gleitschirm "aufgeblasen"
und entfaltet erst jetzt sein flugfähiges Profil. Damit der
Gleitschirm aber mit Luft angeströmt werden kann, ist es
grundsätzlich notwendig, entgegen der Windrichtung zu starten.
Der DHV unterteilt Gleitschirme in drei Klassen. Mit steigender
Kategorie (Klasse) nimmt die Leistung des Gleitsegels und die
Anforderung an den Piloten zu. Somit ist für Anfänger
empfehlenswert, Fluggeräte der Kategorie 1 oder 1-2 zu
fliegen, da Gleitschirme dieser Kategorie ein gutmütiges
Flugverhalten besitzen und auch größere
Pilotenfehler verzeihen. Geräte der Kategorie 2 sind dagegen
für fortgeschrittene
Piloten, die regelmäßig fliegen, geeignet, da diese
ein anspruchsvolleres Flugverhalten haben sowie dynamisch auf
Störungen und Pilotenfehler reagieren. Die Einstufungen 2-3
und 3 sind nur für Piloten mit überdurchschnittlichen
Erfahrungen bestimmt, denn diese als Hochleister bezeichneten
Gleitschirme verlangen höchste Aufmerksamkeit und
Professionalität vom Piloten.
Gurtzeug
und Rettungsschirm
Das Gefühl in einem Gurtzeug zu sitzen ähnelt dem, in
einen weichen Sessel zu rasten. Der Unterschied ist, dass dieser
"Sessel", der ein Herausfallen des Piloten durch Bein-, Brust- und
Schultergurte verhindert, in der Luft am Gleitschirm hängt.
Somit dient das Gurtzeug zur Verbindung des Piloten mit dem
Gleitschirm. Das Gurtzeug erfüllt vor allem eine wichtige
Aufgabe: Es dient dem Schutz des Piloten durch spezielle
Schaumstoffprotektoren oder Staudruckairbags bei einer harten Landung.
Der Rettungsschirm dient im Falle eines unkontrollierten Flugzustandes
(Flugunfähigkeit des Gleitschirms) als Reservefallschirm. Er
befindet sich im Gurtzeug und garantiert bei Höhen von
über 50 Metern noch eine sichere Landung. ein Gleitschirm bei
Sonnenuntergang
Kleidung
Die Kleidung besteht aus einem speziellen Overall
(Ganzkörperanzug), der bequem sein und vor Kälte
schützen sollte. Einen Helm, der ein möglichst
großes Sichtfeld bietet und Gelenkstützende nicht
rutschende Schuhe. Zusätzlich empfehlen sich wärmende
Skihandschuhe und bei starker Sonne eine Sonnenbrille.
Instrumente
Nützlich
für das Gleitschirmfliegen sind verschiedene Instrumente: Das
Variometer (siehe Grafik rechts) zeigt dem Piloten steigen und sinken,
sowie die aktuelle Flughöhe an. Zur Ortsbestimmung ist ein GPS
(Satelliten- Navigations- System) hilfreich. Ein Barograph
(Höhenschreiber) dient der Streckenflugdokumentation bei
Wettkämpfen. Zusätzlich kann man mit einem Anemometer
(Windmesser) die Geschwindigkeit des Piloten gegenüber in der
ihn umgebenden Luft messen werden.
Ausbildung
Eine Ausbildung ist in Deutschland zwingend vorgeschrieben.
Schnupperkurs
Wer sich nicht sicher
ist, ob die Fliegerei die geeignete Sportart für ihn
darstellt, sollte zuerst einen zweitägigen Schnupperkurs
besuchen. Dieser vermittelt ihm erste Erfahrungen mit dem
Gleitschirmfliegen.
Grundkurs
Um allerdings Gleitschirmpilot zu werden muss man einen mindestens
fünftägigen Grundkurs absolvieren. In diesem Kurs hat
der Pilot gelernt mit dem Gleitschirm zu starten, in geringer
Höhe zu fliegen und zu landen. Er darf nun unter Aufsicht
eines Fluglehrers fliegen.
A-Schein
Um aber
selbständig ohne Fluglehreraufsicht fliegen zu
dürfen, benötigt der Flieger den
beschränkten Luftfahrerschein (A-Schein). Nach absolvierter
Theorieschulung in Wetterkunde, Luftrecht, Aerodynamik,
Gefahreneinweisung, Gerätekunde und Naturschutz sowie
beendeter Flugpraxis in alpinen und hochalpinen Geländen
erhält der Pilot mit der Bestehung der Praxis- und
Theorieprüfung den A-Schein.
Aerodynamik des Gleitschirms: Ursachen für
Flugfähigkeit des Gerätes
Gefahreneinweisung: Reaktionen auf mögliche Gefahrsituationen
werden erklärt
Luftrecht beinhaltet:
Streckenflug
Um jedoch Strecken
fliegen zu dürfen, reicht der A-Schein nicht aus. Hierzu wird
ein unbeschränkter Luftfahrerschein ( B-Schein)
benötigt, indem luftrechtliche Kenntnisse vermittelt werden.
Streckenflug: Pilot landet auf nicht für Starplatz
vorgesehenen Landeplatz und absolviert in Regel dabei eine
größere Strecke.
Andere
Ausbildungen
Neben dem Start von
einem Berg kann ein Gleitschirm auch mit Hilfe einer Winde in die Luft
gezogen werden. Auch hierzu ist eine extra Ausbildung (Windenschein)
notwendig.
Piloten mit großer Flugerfahrung und sicherer Beherrschung
des Fluggerätes können eine Tandemberechtigung
erwerben, die dem Pilot zu einer Passagiermitnahme berechtigt.
Ist
Gleitschirmfliegen gefährlich?
Flugsicherheitstand Ende der 80er an 2.
Stelle
Für viele Piloten stand Ende der 80er Jahre die Faszination
des Gleitschirmfliegens im Vordergrund, was sie zu vielen
Leichtsinnsfehlern verleitete. Auch bei der Herstellung damaliger
Schirme wurde vor allem auf ihr Leistungspotential geachtet. Die
Sicherheit rückte in den Hintergrund. Dies ließ die
Unfallzahlen drastisch ansteigen und Gleitschirmfliegen eher zu einem
Spiel mit dem Tod werden. Um dieses Problem zu entschärfen
wurden die Ausbildungsrichtlinien massiv verschärft.
Gleitschirme mussten in einem Zulassungsverfahren in extremen
Flugsituationen getestet werden, bevor sie auf den Markt kamen. Somit
gewann die Sicherheit immer mehr an Bedeutung und ließ die
Unfallzahlen zurückgehen.
Flugsicherheit
wird heute groß
geschrieben
Heute steht die Flugsicherheit an erster Stelle. So wird Piloten mit
Gleitschirmen ohne Zulassung oder Gütesiegel, die
Starterlaubnis verweigert. Weiterhin muss jeder Gleitschirm innerhalb
von zwei Jahren zu einer Nachprüfung, in welcher das
Fluggerät auf seinen Zustand überprüft wird.
Besitzt ein Pilot keine vorschriftsmäßige
Flugausrüstung (z.B. Helm oder Rettungsschirm) oder kann er
keine notwendige Gleitschirmausbildung nachweisen, darf er nicht
starten.
Unfallzahlen
sind in den letzten Jahren
kontinuierlich zurückgegangen
Aufgrund dieser Maßnahmen sind in den letzten Jahren die
Unfallzahlen kontinuierlich zurückgegangen. So verminderte
sich bei anwachsender Zahl von Piloten die Zahl der Verunfallten.
Verunglückten im Jahr 1997 noch 166 von den 16296 aktiven
Gleitschirmfliegern (1,02% Verunglückte), so verunfallten im
Jahr 1999 nur noch 116 von den 20091 gezählten
Gleitschirmpiloten (0,58% Verunfallte).
Ursachen
für Unfälle
Diese geringen Unfallzahlen, die hauptsächlich im
Frühjahr und in der sommerlichen Urlaubssaison ansteigen,
haben ihre Hauptursache in Pilotenfehlern. Nur etwa 2 % der
Gleitschirmunfälle sind auf Materialfehler
zurückzuführen. Zu 98% passierten die
Unfälle aufgrund menschlichen Versagens. Von dieser Art
Unfälle sind nur etwa 10% fremd verschuldet. Somit sind
Unfälle beim Gleitschirmfliegen v.a. durch Eigenverschulden
entstanden. Die Eigenverschulden waren: Mangel an Erfahrung, falsche
Pilotenreaktionen und Fehleinschätzung des Wetters.
Gefährlichkeit
ist nicht eindeutig
zu beantworten
Wie es unterschiedliche Ansichten bezüglich der
Gefährlichkeit des Gleitschirmfliegens gibt, so besitzt jeder
Pilot eine eigene Auffassung gegenüber dem Gleitschirmfliegen.
So geht ein draufgängerischer Pilot eher Risken ein, als ein
vorsichtiger Pilot.
Eine gute Gleitschirmausbildung kann dem Piloten nur bestimmte
Grundregeln im Umgang mit seinem Fluggerät beibringen, wie er
jedoch diese umsetzt, liegt in der Hand jedes einzelnen Piloten.
Gleitschirmfliegen
ist so
gefährlich wie der Pilot
Deshalb ist Gleitschirmfliegen so gefährlich wie der Pilot.
Das heißt, für einen Piloten der beim Fliegen
höhere Risiken eingeht und seine eigenen Fähigkeiten
nicht richtig einschätzt, stellt Gleitschirmfliegen eine
höhere Gefahr dar, als für einen Piloten, der
verantwortungsbewusst hohe Risiken scheut.
Gleitschirmfliegen ist also insofern gefährlich, in welchem
der Maße der Pilot seine eigene Leistungsfähigkeit
im Bezug zu seinem Fluggerät nicht realistisch
einzuschätzen vermag und unter seinem
Leistungsvermögen nicht adäquaten Flugbedingungen
startet.
Für
nahezu gefahrlose
Ausübung sind folgende Punkte zu beachten
Die Hauptunfallursache - Eigenverschulden - kann nahezu vermieden
werden. Denn erst die Beachtung folgender Punkte ermöglichen
eine nahezu gefahrlose Ausübung des Gleitschirmfliegens.
-
Beherrschung der
theoretischen Grundlagen
-
Beherrschung des
gewählten Geräts
-
Beherrschung der
Praxis
-
Beachtung der
Sicherheitsvorschriften
-
Selbstbeherrschung
-
großer
Respekt vor der Natur
Restrisiko bleibt wie bei anderen Dingen
Jedoch gibt es, wie bei anderen Dingen, immer ein Restrisiko. Wer
versichert mir, dass ich z.B. als sicherer verantwortungsvoller
Autofahrer unfallfrei bleibe? Könnte mir nicht ein
Geisterfahrer auf der Autobahn entgegen kommen oder mir ein anderer die
Vorfahrt nehmen? Ebenso könnte ein Gleitschirmpilot trotz
aller Sicherheitsvorkehrungen mit einem anderen unvorsichtigen Piloten
kollidieren.
Ist
Gleitschirmfliegen teuer?
Kosten
für Ausrüstung
Die Kosten für eine komplette Neuausrüstung
erscheinen auf ersten Blick sehr erheblich und abschreckend:
Die Kosten für eine komplette Neuausrüstung betragen
zwischen 2.800 und 6.300 Euro. Sie setzen sich zusammen aus:
Gleitschirm 1.600 - 4.000 EUR,
Rettungsschirm
350 - 600 EUR,
Gurtzeug
250 - 1.100 EUR,
Helm
75 - 400 EUR,
Kleidung
160 - 770 EUR, Instrumente
350 - 900 EUR.
Eine gut erhalte gebrauchte Komplettausrüstung ist jedoch
schon für etwa 2.500 Euro zu bekommen.
Kosten
für Ausbildung
Kosten für alle Ausbildungskurse betragen zusammen etwa 920 -
2000 Euro. Sie setzen sich zusammen aus:
Grundkurs 275 - 450 EUR,
A-Schein
200 - 600 EUR,
Windenschein 245 - 345 EUR, B-Schein 200 - 600 EUR.
Für ein Neueinsteiger ist jedoch vorerst ein Grundkurs
ausreichend, um unter Fluglehreraufsicht fliegen zu können.
Weitere
Kosten
Hinzu kommen laufende Kosten wie
Gleitschirmüberprüfungen,
Mitgliederbeiträge, Sesselliftgebühr im Gebirge,
Fahrtkosten zum Startplatz und andere.
Zusammenfassung
Gleitschirmfliegen ist im Vergleich zu
anderen Freizeitbeschäftigungen ein kostspieliges Hobby. Im
Vergleich zu anderen Luftsportarten stellt aber Gleitschirmfliegen die
kostengünstigste Variante dar, um in die Luft zu kommen.
Das Pro und Contra des Gleitschirmfliegens
Für
- Freiheitsgefühl
- Adrenalin- und Spaßfaktor
- GF ist eine sehr naturverbundene
Luftsportart, direkter Kontakt mit Luftbewegung
- Abschalten vom Alltag, Ruhe
genießen
- Einfache Handhabung, leicht erlernbar
- GF ist im Vergleich zu anderen
Luftsportarten die kostengünstigste Variante "in die Luft zu
kommen"
- Aktivurlaub
- einmalige Aussicht
- Gemeinschaftsgefühl durch
Gleichgesinnte
- Erfüllung des Menschheitstraumes
vom Fliegen
Wider
- GF verzeiht keine
größeren Fehler
- GF ist sehr stark wetterabhängig
(nicht jederzeit ausübbar)
- GF kann nur an zugelassenen
Startplätzen durchgeführt werden (u.U. lange
Anfahrtswege)
- GF erfordert eine Fluglizenz
- GF erfordert ständiges Training,
um auf kritische Flugzustände rechtzeitig reagieren zu
können
- GF ist im Vergleich zu anderen
Freizeitbeschäftigungen ein teures "Vergnügen"
(Notwendigkeit einer Haftpflichtversicherung)